An einem Dienstagmorgen Ende Februar ist es soweit: Zwei Bäume spendieren die Best Ager ihrer Sektion und sich selbst anlässlich des 150-jährigen Jubiläums. Die beiden Bäume wurden in der Baumschule schon bis zum Teenageralter gepflegt und sind gut zwei bzw. über drei Meter hoch. Mit Pflanzerde, Rindenmulch und sonstigem Zubehör wurden rund 600 € aus dem Spendentopf aufgewendet.
Der Rest war Eigenleistung, vor allem beim Ausheben der Pflanzgruben im Anschluss an den wöchentlichen Klettervormittag. Einige hatten in der hinteren Zellerau und auf Mainhöhe eher Sandboden erwartet, andere dachten an Schuttablagerungen aus der Nachkriegszeit. Überraschend stand aber schon nach 60 bis 70 Zentimetern der Muschelkalk an – im hinteren Teil Richtung Boulderwand, wo das Gelände stärker in den Hang einschneidet, besonders extrem. Zum Glück war das Gestein bereits etwas porös und bröckelig, aber ohne die aus einem Pickel und Stahlrohr selbst geschweißte Lanze von Michael wäre ein ausreichender Wurzelraum per Hand nicht zu schaffen gewesen. Die Erkenntnis daraus für alle: Das Kletterzentrum steht auf einem superfesten Fundament.
Teamarbeit vor Ort
Nach dem Motto „Viele Hände, schnelles Ende“ waren nach dem Schaufeln auch alle weiteren Arbeitsgänge, einschließlich Pfähle setzen und korrekte Sicherungsknoten anbringen, nach zwei Stunden erledigt, und die „Neuen“ wurden mit Wasser getauft, während sich die „Alten“ einen Cappuccino oder etwas Prickelndes gönnen durften.
Auswahl der Baumarten
Doch welche Baumarten werden in Zukunft das Klettergelände bereichern? Das Casting war bei den diskussionsfreudigen In- und Outdoorsportlern, von denen viele auch noch als Hobbygärtner aktiv sind, gewohnt lebhaft. Früchte und Blüten, die womöglich beißende Insekten oder anderes Getier anziehen und herbstliche Reinigungsaktionen erfordern, sollte es nicht geben. Ausladendes, seitliches Wachstum oder Riesenwuchs, der die Kletteraktivitäten stört, ebenfalls nicht. Enge Kronen, in denen Spatzen oder Tauben nisten, passen neben den Kletterwänden ebenfalls nicht.
Der Amberbaum – Indian Summer
Als idealer Partner für die bereits vor der Kletterwand stehende Robinie wurde der Amberbaum ausgewählt – ein Laubbaum, der langsam wächst und seinen schlanken, spindelförmigen Wuchs auch im Alter beibehält. Seine Blätter ähneln dem Ahorn, sind aber etwas spitzer und tiefer gelappt. Die Rinde bekommt mit den Jahren dekorative Muster wie bei Korkeichen. Als geradezu spektakulär gilt die quasi goldene Herbstfärbung des Laubes, die den Besuchern nun jedes Jahr einen tollen „Indian Summer“ bieten wird. Da sich die Seniorenkletterer schon per Definition ebenfalls in diesem Altersstadium bewegen, könnte das neben der besonderen Eignung als Klima- und Zukunftsbaum für die Wahl eine entscheidende Rolle gespielt haben.
Die Zypresse – ein Hauch Toskana
Auch der zweite Baum, der es ins Finale schaffte und etwa zwischen Kletter- und Boulderwand gesetzt wurde, trägt dem Aspekt Klimawandel Rechnung. Vor 50 Jahren hätte in unseren Breiten kaum jemand die aus der Toskana stammende, immergrüne Zypresse bei der Pflanzenauswahl in Betracht gezogen. Heute gilt sie nach den Erkenntnissen der Landesanstalt in Veitshöchheim als absolut winterhart und besonders hitze- wie trockenheitsverträglich. Bewusst haben wir die sehr kompakt wachsende Sorte „Totem“ ausgesucht. Sie behält auch in späteren Jahren ihre elegante und markante Säulenform und wird dabei kaum breiter als 1,50 Meter. Auch hier war bei den Kletterern neben der Vernunft eine Portion Emotion mit im Spiel, denn die echte Zypresse ist auch eine Hommage an die Kletterwelt in und um Arco, die so viele begeistert.
In besten Händen
Inzwischen denkt jeden Dienstag spätestens beim Duschen jemand aus der Gruppe auch ans Baumgießen. Sollte der Sommer besonders heiß werden, wissen wir die Setzlinge bei Marlyn und Robin auch dazwischen in besten Händen.
Ein Beitrag von: Dieter Ofenhitzer.