Draußen klettern ist anders! Das hat auch unser Kurs "von der Halle an den Fels erfahren". Unsere Teilnehmer und Teilnehmerinnen verbrachten vier spannende und lehrreiche Tage in der nahegelegenen Fränkischen Schweiz. Dort erfuhren sie, dass am Fels mehr Technik und Knowhow als in der Halle benötigt wird und das selbstverständlich auf die Natur geachtet werden muss.
„Von der Halle an den Felsen“ wurde das Motto unserer vier Tage in der Fränkischen Schweiz.
Alles begann "negativ"
Wir starteten am Montagmorgen um 8 Uhr an der Kletterhalle in Würzburg, um an den Felsen zu fahren. Ein Teil der Gruppe war bereits vor Ort und wartete gespannt in Bärnfels auf die Ankunft des anderen Teils. Unsere beiden Klettertrainer Rainer Balling und Reiner Englert trafen an der Ketterhalle auf Michael, Thomas, Stefano und Florian. Nach einer kurzen Vorstellung wurde fehlendes Material von der Sektion ausgeliehen und mit allem anderen Gepäck in Michaels und Reiners Camper eingeladen. Bevor es losging, kurz noch ein Coronatest an der Teststation und die spannende Zeit kann negativ beginnen. Wir kamen nach zweistündiger Fahrt durchs felsige Franken an unserer Unterkunft, der Pension Brütting in Bärnfels, an. Dort trafen wir auf Gabi, Paul und Werner, die bereits in der Pension warteten. Einchecken mit dem negativen Test, Zimmer suchen, Rucksack abladen und schnell die Klettersachen packen, denn die Vorfreude auf den ersten Felsen ist groß.
Sanfte Atmosphäre, wie sie in der Halle nicht zu finden ist
Trotz schlechter Wettervorhersage sieht die Lage gut aus und die Tour kann beginnen. Doch schon nach nur fünf Minuten Fußweg durch eine saftige Wiese, natürlich mit Erlaubnis von der Hauswirtin, sind wir bereits am Felsen, der als Schda Schdum bezeichnet wird. Die frische Waldluft, die schattige Lage des großen Felsens und die ruhige Umgebung schaffen eine angenehm sanfte Atmosphäre, wie sie in der Halle nicht zu finden ist. Dank des gut gewählten Zeitraums sind wir die Einzigen am Felsen, was für die erste Klettererfahrung vorteilhaft ist. Erste Klettererfahrung am Felsen ist die Devise für die ersten Stunden. Die erfahrenen Kletterer der Truppe legten Toprope-Seile in einfachen und auch schwierigeren Routen. Und los kann es gehen. Der erste Eindruck am Fels war einfach klasse, ganz anders als in der Halle und mitten in der Natur.
Da Klettern jedoch gelernt sein muss, wurde nach einer kurzen Pause der erste und größte Theorieteil des Kurses angegangen. „Abseilen“ bzw. Umbauen um abzuseilen ist die Überschrift. Also gut, dann mal los. Zuerst einmal das Material – was ist dies und was ist das? –, dann die Anwendung dazu. Dank der anschaulichen Beschreibung und praktischen Erklärung war der Grundstein gut gesetzt, doch nichts Gelerntes bleibt ohne Übung hängen. Die Devise war also üben, üben, üben – am Baum und dann am Fels. Dank des Waldes waren genügend Bäume in Reichweite und jeder konnte ausgiebig üben. Nach der Festigung des gerade gelernten Wissens kam nun die Realität immer näher.
Die Spannung steigt
„Abseilen über den Felsen“ war die nächste große Hürde. Man stelle sich vor, die ersten Tritte über die Felskante und alles, an was man hängt, hat man selber zusammengebaut und es muss halten. Die Spannung war groß, aber dank der guten Begleitung beider Leiter hat es jeder sicher und erfolgreich nach unten geschafft. Die Tagesaufgabe war geschafft. Da es danach schon Abend wurde, war der Hunger groß, weshalb alles abgebaut und zusammengepackt wurde, um den Heimweg anzutreten. Schon nach 5 Minuten wieder zu Hause, konnten wir uns kurz umziehen und zum Gasthof Drei Linden ums Eck gehen, in dem uns ein Wochenbier, das jede Woche gewechselt wird, und Hausmannskost erwartete. Als Überraschung wohnte uns Roland, der Ausbildungsleiter der Sektion, bei. Am Tisch mit schönen Unterhaltungen klang der Abend aus und der erste erfolgreiche Klettertag ging vorüber.
7.30 Uhr – Zeit aufzustehen, der Wecker klingelt und der Tag erwacht. Eine halbe Stunde später gibt’s leckeres und vielseitiges Frühstück am Buffet, mit Brötchen, Müsli, Quark, Kaffee, Obst und sogar Kuchen. Nach der Stärkung geht es um 9 Uhr los zum Wolfstein, der etwas weiter weg gelegen ist. Jedoch begleiten uns auf dem halbstündigen Fußweg wild blühende Orchideen, saftige Wiesen und erfrischende Waldluft. Kurz vor dem Ziel lag die letzte Hürde in Form eines steilen und wurzligen Aufstiegs, der jedoch schon nach wenigen Minuten vorbei war. Oben angekommen, begrüßte uns ein imposanter Fels, der zum Vorstieg einlädt. Das heißt: Material auspacken, prüfen, anziehen, Partnercheck und rauf in die Höhe. Der Fels bot nicht nur einfache Routen, sondern öffnete die Möglichkeiten, seine Fähigkeiten auszutesten. Zur Mittagszeit waren die Grundkletterbedürfnisse kurzfristig gestillt, was Zeit für den zweiten Theorieteil öffnete, mit dem Thema Umbau und Ablassen. Hierfür boten sich die Bäume erneut gut an und es wurde nach der detaillierten Erklärung sorgfältig geübt. Unterstützung zum Üben kam zusätzlich durch Roland, sodass durch Rainer, Reiner und Roland jeder eine optimale Betreuung bekam. Das Geübte muss auch erprobt werden, also rauf auf den Felsen und Umbauen, Ablassen und wieder Aufsteigen. Auch die Theorie des letzten Tages konnte noch mal am Felsen geübt werden. Nach dem langen Tag und erfolgreichem Klettern wurde wieder neue Energie unter den Drei Linden getankt. Doch nicht nur Energie wurde aufgenommen, auch welche wurde abgegeben, und zwar in Form von einem heftigen Gewitter, das uns zwang, in die warme und trockene Stube zu flüchten. Auf dem Heimweg hatten wir, wie den ganzen Tag wieder, Glück. Kein Regen trotz schlechter Vorhersage.
Next step! Die 20-Meter-Wand
Tag drei von vier, der Wecker klingelt und das Frühstück wartet im Aufenthaltsraum gegessen zu werden. Der dreißigminütige Fußweg zu der hinteren und rechten Reibertsbergwand führt durch den an einem vom Blitz getroffenen Kirschbaum vorbei, hinauf in den angenehmen Wald. Der Fels war vom gestrigen Regen nass und glitschig, was das Klettern erschwerte. Aber trotz der Schwierigkeiten wird fleißig geklettert und geübt für die später anstehende Prüfung. Um die Mittagszeit war es dann so weit. Rainer Balling wartet oben am Felsen zur Prüfungsabnahme und wir stehen unten, um nach oben zu klettern. Die Herausforderung wurde von beiden Betreuern gut begleitet und die, die schon fertig waren, konnten an die hohe Wand. Dort waren die Höhenverhältnisse noch einmal ganz anders. Bis zu 20 m ging es zum Teil senkrecht nach oben, durch bewachsene Felsen hin zu steinigem Fels. Von dort oben war die Sicht weiter als zuvor. Aber Vorsicht war geboten, denn auf den Felsen herrscht ein Schutzgebiet für seltene Fauna, die sich dort oben an extremen Situationen angepasst hat. Aber dazu sollten wir am nächsten Tag noch mehr lernen. Der Abend brach schon an und in den Drei Linden wurde schon auf uns gewartet. An diesem Abend spielte auch Deutschland in der Fußball-Europameisterschaft, weshalb zügig gegessen und zurückgegangen wurde, um noch rechtzeitig beim Anpfiff dabei zu sein. Nach dem nervenaufreibenden Spiel ging es schlafen, denn morgen wartetet schon der letzte Tag auf uns.
Breitenberg Südwand hieß unsere letzte Station, die wir nach dem Auschecken, Zusammenpacken und Verabschieden erreichten. Ein sehr schöner Fels, den wir aber dieses Mal nicht zu Fuß erreicht haben. Der Fels bot ein reichhaltiges Angebot spannender Routen, in denen wir uns nach Lust und Laune vergnügen durften. Doch das leider nicht allzu lange, denn das Wetter schlug um und ein heftiger Regen überraschte uns bis auf die Socken. Schnell wurde alles abgebaut und in die Autos gebracht. In einem nahe gelegenen Gasthaus konnten wir uns mit ein paar Bratwürsten und erfrischenden Getränken trocknen und wärmen. Der Regen war erloschen, doch neuer auch angesagt, sodass wir die Zeit sinnvoll nutzten, die wichtigen Themen des Naturschutzes in Ruhe zu besprechen. Es wurde vom Steinkauz über den Uhu bis hin zum Rotmilan gesprochen, wann sie wo nisten und welche Felsen hierfür gesperrt wurden. Auch die Flora ist Thema der Naturschutztheorie geworden. Zu allerletzt gab es die Outdoor-Kletterscheine
und eine herzliche Verabschiedung. Die vier Tage am Fels wurden kurz resümiert und die spaßige und harmonierende Gruppe wurde Stück für Stück kleiner, bis sich jede Fahrgemeinschaft wieder auf den Weg in die Heimat gemacht hat.
Fazit: Der Kurs ist eine absolut großartige Variante, um von der Halle an den Felsen zu kommen. Durch die vier Tage am Stück Intensivtraining und die Zeit unter der Woche wird eine lernfreudige Grundvoraussetzung geschaffen, die es jedem ermöglicht, sich Stück für Stück an den Felsen heranzutasten.
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