Um die enorme Vielfalt und Spezialisierung der Alpenpflanzen zu verstehen, führt man sich am besten einige Eckpunkte der Vegetationsentwicklung vor Augen:
Bevor vor etwa 15.000 bis 12.000 Jahren die Pflanzen die Alpen neu besiedelten, beherrschten über zwei Millionen Jahre vier Eiszeiten den Alpenraum. Nach dem Abschmelzen des Eises drangen die Pflanzen in neue Lebensräume vor, dabei durchmischten sie sich mit Arten, die aus der Arktis oder sogar aus der asiatischen Steppe und aus dem Himalaja eingewandert waren. Letztere Tatsache erklärt wiederum, warum viele Alpenpflanzen auch heute noch in anderen europäischen Hochgebirgen oder in Nordeuropa zu finden sind; nur knapp 20 Prozent der hiesigen Pflanzenarten sind endemisch und kommen also nur in den mitteleuropäischen Alpen vor.
Lebensstrategien und Anpassung
Das Klima in den Alpen zeichnet sich durch extreme Schwankungen der Temperaturen, Niederschlagsmengen und der Sonnenstrahlung aus. – Temperaturunterschiede von bis zu 50 Grad Celsius innerhalb eines Tages können ohne Weiteres vorkommen, sommers wie winters.
Erst sehr spezielle Mechanismen machen es den Alpenpflanzen überhaupt möglich, in diesen harten klimatischen Bedingungen zurechtzukommen, dazu zählen u.a. Polster- oder Zwergwuchs, die fleischige Ausgestaltung von Blättern oder Stängeln (Sukkulenz) oder auch das frühe oder besonders intensive Blühen der Alpenpflanzen.
Unter den vielen Pflanzen, die in den Alpen vorkommen, können etwa 200 bis 400, die sich durch Anpassungsmechanismen auf ein Leben oberhalb der Waldgrenze spezialisiert haben, als echte Gebirgspflanzen gelten. An extremen Standorten in der alpinen Stufe haben sie mitunter kaum mehr als einen Monat Zeit zum Keimen, Blühen und Fruchten.
Pflanzen zu schützen, heißt in erster Linie, ihren bevorzugten Lebensraum zu schützen – wie Alpweiden oder Moore, Wälder oder Fließgewässer.
Viele Arten finden in den Alpen ein zentrales Rückzugsgebiet, während sie aus anderen, stärker bewirtschafteten Regionen zurückgedrängt werden oder dort längst nicht mehr vorkommen. Und auch in den Alpen gelten viele Pflanzen als gefährdet und stehen auf der Roten Liste.
Wichtige Lebensräume alpiner Arten können selbst in Naturschutzgebieten oder gar Nationalparks mitunter nur schwer geschützt werden, eine schleichend immer stärker werdende Nutzung bedroht viele alpine Biotope. Politische Instrumentarien wie die Alpenkonvention oder den Alpenplan zu stärken, wird absehbar immer wichtiger.
Und was können Einzelne tun? In erster Linie gilt es, die Naturschutzgesetze zu kennen, zu beachten und geschützte Arten nicht zu pflücken oder gar auszugraben. Beispielsweise stehen in Deutschland sämtliche Orchideen- sowie Enzianarten unter Naturschutz.
Alpen-(Arten-)Schutzprojekte
Informationen zu wichtigen Alpen-(Arten-)Schutzprojekten finden sich unter anderem hier:
„Der Weg ist das Ziel.“ Oder gar der Wegrand? – Wer in den Alpen unterwegs ist, kann bei jeder Wanderung oder anderen Unternehmung eine Vielzahl von Pflanzen entdecken und bestimmen. Wer mit Pflanzennamen noch nicht allzu bewandert ist, hat im Idealfall ein handliches Bestimmungsbüchlein dabei. Oder aber man fotografiert die Pflanze – bitte nicht pflücken, sie könnte geschützt sein – und bestimmt die Art näher zu Hause. Wer auf einer Alpenvereinshütte übernachtet, kann dort ebenfalls häufig in Bestimmungsbüchern nachschlagen oder findet oft auch das Plakat „Geschützte Alpenpflanzen“ vor.
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