Unsere Tour führte uns auf die wunderschöne Insel Sardinien. Dort angekommen zeigte sie auf dem Selvaggio Blu ihre wilde und beeindruckende Natur und stellt ein echtes Abenteuer für uns dar. Des Weiteren bietet die Insel Kletterspots vom allerfeinsten.
Eigentlich wollten wir mit Rainer eine Woche zum Klettern auf Sardinien. Wenn man schon auf Sardinien ist, warum machen wir dann zum „Einlaufen“ nicht vorher den Selvaggio Blu? Ich hatte schon einiges über den Selvaggio Blu (wildes Blau) gehört, aber heute verstehe ich, was es heißt, wenn die Tour als schönste, aber auch extremste Trekkingroute der Welt beschrieben wird. Nach einer kurzen Vorbesprechung war klar: Vor der Kletterwoche gehen wir den Selvaggio Blu an. Wir, das waren Rainer, Bernhard, Alois, Elena und Helmuth. Komplettiert wurde unsere Gruppe von zwei netten Italienerinnen, Eleonora und Gloria. So machten wir uns am 17. Mai mit dem Sektionsbus auf die ca. 1000 km lange Reise nach Livorno. Mit der Fähre ging es in der Nacht nach Olbia auf Sardinien.
Die Ruhe vor dem Sturm
Den ersten Tag auf Sardinien nutzten wir gleich zum Klettern in der Bucht Cala Fuili. Am Abend starteten wir dann in Santa Maria Navarrese in unser sechstägiges Abenteuer. Mit Jeeps ging es in die Berge zur Shepherds hut (Ovile). Wir wurden mit sardischen Köstlichkeiten verwöhnt, u. a. Ziege vom Grill, und nach unserer ersten Nacht im Schlafsack und einer dünnen Bodenmatte ging es richtig los.
Hoch und Runter das macht munter
Zur Bucht Portu Pedrosu mussten 150 Höhenmeter überwunden werden. Schlimmer waren aber die 700 Meter Abstieg zum Meer auf schwierigstem Gelände. Durch Gestrüpp, über Äste, scharfkantige Steine. Immer das tiefe Blau des Meeres unter uns. Angesagt waren 6 Stunden reine Laufzeit. Das war ein erster Härtetest. Am Spätnachmittag erreichten wir die einsame Bucht. Am 3. Tag ging nach Goloritzè. Insgesamt 650 m rauf und 650 m runter. Reine Gehzeit wieder 6 Stunden. Klingt brutal. War es auch. Highlight war der Blick von oben auf die Bucht von Goloritzè mit der Aguglia, die wohl berühmteste Felsnadel Sardiniens direkt am Strand. Heute war der Klettersteigtag. Manchmal gab es Fixseile. Die sahen nicht sehr vertrauenswürdig aus. Deshalb hat unser Bergführer eigene Seile gelegt und wieder abgebaut. Die eigentliche Via Ferrata
war dann doch ein Stahlseil. Schwindelerregend und einfach nur schön.
Auch heute ging es wieder viel bergauf und bergab, immer das in allen Blaufarbenschimmernde Meer im Blick. Das Wetter war wie auch schon die letzten Tage wieder perfekt. Der Weg heute führt durch mächtige Grotten mit Sintern, deren Farbenpracht im Sonnenlicht wir immer wieder bestaunten. Die letzte Abseilstelle der Tagesetappe endet genau vor dem Eingang der Schauhöhle Grotta del Fico. Unser Guide (hat Geologie studiert) hat natürlich einen Schlüssel und bevor wir Schwertfisch zum Abendessen genießen, gibt’s eine Privatführung durch die Höhle. Übernachtet haben wir im Höhleneingang und die Nacht zur Erforschung der Höhle auf eigene Faust genutzt. Unsere Stirnlampen haben die Höhle viel mystischer ausgeleuchtet als die installierte Beleuchtung für öffentliche Führungen.
Über die Cala Biriola geht es heute wieder im ständigen Bergauf und Bergab zur Cala Sisine. Der Guide versichert uns, dass die abenteuerlichen Leitern aus jahrhundertealtem Wacholderholz sicher sind. Wir gewinnen langsam Vertrauen und sind fast schon verstört, als eine einzige Leiter à la Dolomitenklettersteig auftaucht. Trotz der vielen atemberaubenden Aussichtspunkte und Grotten sind wir schnell unterwegs und können am Spätnachmittag erste Erfahrungen mit dem Seekanu machen und damit eine weitere Grotte erkunden. Höhepunkt am letzten Tag: 7 Abseillängen von 300 m Höhe runter ans Meer. Nach dem Aufstieg von der Cala Biriola konnten wir den gesamten Golf von Orosei überblicken. Dann ging der Spaß auch schon los. 3 Abseilstellen runter, direkt in eine Höhle, runterklettern und kriechen zum Ausgang, weiter abseilen und dann noch ein Quergang direkt über dem Meer zum Abholpunkt mit dem Boot. Geschafft! Auf der Bootsfahrt zurück nach Santa Maria Navarrese konnten wir alle Tagesetappen noch einmal Revue passieren lassen. Der Selvaggio Blu wird uns allen in bester Erinnerung bleiben. Es waren unvergessliche Tage in einer wilden, aber traumhaften Landschaft.
Und weiter zum Klettern
Nach dem Selvaggio Blu kletterten wir noch eine Woche in der Region Cala Gonone. Rainer war schon einige Male auf Sardinien. Er kannte viele Klettergebiete und wusste, wo es die beste Pizza und das leckerste Eis gab. Roland hat sich am Montag noch zu unserer Gruppe angeschlossen. Die Klettergebiete hießen u. a. Budinetto, La Poltrona, Buchi Arta und Cala Fuili.
Letzteres Gebiet ist direkt an einem Badestrand und bot besten Klettergenuss und gleichzeitig Urlaubsfeeling. Plattenkletterei an rauem, löchrigem, perfektem Fels, wie beim Budinetto. In einer Grotte direkt am Meer konnten wir auch an Sintern klettern. In La Poltrona gibt es kompakten Fels von hervorragender Qualität. Hier sind wir auch eine 4-Seillängen-Route geklettert. Für Gänsehaut sorgte hier unser Trompeter Alois, der den mächtigen Felskessel für ein kleines Konzert nutzte. Echo: atemberaubend. Im Klettergebiet Buchi Arta, das in den Bergen liegt, konnten wir unsere in dieser Woche erworbenen Kletterfähigkeiten noch einmal unter Beweis stellen. So haben wir uns im Laufe der Woche von den Schwierigkeitsgraden 4a, b, c bis zu 6c steigern können.
Mein Dank und Anerkennung gilt den Vorsteigern dieser Routen. Rainer, wir danken dir für diese unvergesslichen Tage!
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