Unsere Jugendausfahrt in die nahegelegene Fränkische Schweiz zeigte unseren JDAV´lern neben der wunderschönen Landschaft und den Fertigkeiten des Felsklettern, was es heißt Verantwortung zu übernehmen.
Zum Ende der Somerferien machen die Klettermaxe nochmal eine Ausfahrt in die Fränkische Schweiz. Im Zusammenhang mit dieser Ausfahrt ist auch das mit Kreide gemalte Zonenmodell auf dem Vorplatz entstanden, welches jede:r zwangsläufig gekreuzt haben muss, bevor die Kletterhalle betreten wurde. Für ein paar ging es das erste Mal an den Felsen und überhaupt war es insgesamt die erste Übernachtungsausfahrt als Gruppe. Da muss schon mal abgecheckt werden, wo sich jede:r so einordnet in Bezug auf die bevorstehende eisige Camping-Nacht oder das Abenteuer am Felsen zu klettern: Komfortzone? Wachstumszone oder Panikzone? Conclusio ist: Alle fühlen sich top wohlauf und gut vorbereitet für die Tour in die Fränkische.
Erlebnis Felsklettern
So düsen wir los. Mit zwei Autos geht’s über die fast ausschließlich mit Baustellen bearbeitete Autobahnstrecke zu unserem Kletterfelsen-Ziel der „Weißen Wand“. Die Gruppe, die sich 30 Minuten schneller durch den Baustellenzirkus bewegt hat, stellt beim Warten und Kartenspielen fest, dass es aber wirklich ganz schön heiß ist. Viel zu heiß. So gibt’s eine Planänderung und wir steuern die schattigere Kletterwand „Schwarzbrennerei“ an. Die Navigationsunsicherheiten und das sich Verlaufen gehört klassischerweise zur siegesreichen Wegfindung mit dazu. Am Platz eingerichtet, werden dann sogleich die ersten Routen im Vorstieg gegangen, danach im Nachstieg und parallel wird am Baum das Umbauen gelernt und zu guter Letzt natürlich auch am Fels angewandt. Dann dreht sich die Mittagspause gleich im zweifachen Sinne ums Essen. Wir schmatzen vor uns hin und zeitgleich stellt sich die Frage: Was wollen wir am Abend kochen? Und was soll’s am nächsten Mittag zum Jausen geben. Unter der Beachtung folgender Punkte: möglichst ökologisch, regional und plastikfrei werden Ideen gesammelt, die im selbstverwalteten Budget liegen sollen. Mit Stift und Papier halten wir sogleich jegliche Ein- Komfortzone Wachstumszone Panikzone aufswünsche unter Berücksichtigung mancher Unverträglichkeiten fest. Nudeln mit Pesto soll es am Abend geben und am nächsten Tag Wraps. Super Sache! Jetzt nochmal an den Felsen,bis die Zeit uns zum Aufbrechen zwingt.
Am Zeltplatz sitzt sie uns auch schon wieder im Nacken – diese Zeit. Um noch innerhalb der bayerischen Supermarktöffnungszeiten zum Einkaufen zu kommen und in Helligkeit die Zelte aufzustellen sowie zu essen, ist Eile angeraten. Wir helfen zusammen, damit sogleich im nächst gelegenen Lebensmittelfachhandel die anspruchsvolle Einkaufsaufgabe in Angriff genommen werden kann. 30 Minuten Zeit – 60 Euro Budget, welches ausgegeben werden kann, aber nicht muss. Die Jugendleiter-Girls warten draußen. „Das geht richtig ins Geld“ wird immer wieder vom Schatzmeister kommentiert, der jegliche Waren nochmal auf ihre Tauglichkeit überprüft. „Pesto 17 € das Kilo, ne, können wir nicht machen!“ Na, aber Hauptsache die Zitronen für die selber gemachte Limo sind dabei! Zum Schluss bleibt sogar noch reichlich Budget für Süßigkeiten übrig und Rückgeld ist sogar auch wieder in die Gemeinschaftskasse gewandert! Nun denn, nächstes Problem. Unser Campingkocherset ist definitiv zu klein für 2 kg Nudeln, die das Expertenteam bei der Mittagsplanung für 8 Personen kalkuliert hat. Aber wir können auf nachbarschaftliche Campingplatz-Hilfe zählen und bekommen einen Großküchenkochtopf zur Verfügung gestellt. Irgendwann, als es schon ziemlich dunkel war, hängen wir mit unseren Stirnlampen über den Nudeltellern und stellen satt fest: 250 g Nudeln pro Personsind wohl doch die falsche Pro-Kopf-Maßangabe. Damit ist der Auftrag für den nächsten Tag klar: Nudeln essen, Nudeln essen und nochmal Nudeln essen. Vorher geht’s nicht an die Wand! Die abschließende Tages- bzw. Nachtaufgabe ist, nochmal in Stille für sich den Geräuschen der Umgebung zu lauschen und diese in einer ganz persönlichen „Geräuschelandkarte“ künstlerisch festzuhalten. Damit beschließen wird den Abend und kriechen nudelsatt, müde und zufrieden in unsere Schlafsäcke.
Am nächsten Tag dann auch die frohe Botschaft: Der einzige Punkt, der beim Zonenmodell den einen oder die andere näher an die Panikzone hat rücken lassen ist nicht eingetroffen. Gefroren hat niemand! (Zumindest nicht länger als zwei Stunden.) Aber Moment mal! Was ist eigentlich aus den gekauften Zitronen geworden? Wir haben ja gestern die Limo gar nicht gemacht! Na gut, dann ist das eben heute Teil des Morgenprogramms, wird entschieden. So beginnen die Überlegungen: In welchem Gefäß? Auf welche Art kommt jetzt der Zucker noch in die Flasche? Erhitzen? Einen Trichter bauen und hineinrieseln lassen? Verschiedenste Ideen werden ausprobiert, sodass der Tisch am Ende auf jeden Fall auch einiges an Limo trinkt. Aber das Endprodukt war natürlich ein voller Erfolg. Ein Erfolgsprodukt, welches uns nur nochmal einiges an Zeit genommen, sodass wir ähnlich spät, wie wir zu Abend gegessen haben, nun auch frühstücken. Aber dafür eben mit einer wirklich wunderbaren, herrlichen, köstlichen Selfmade-Limonade. Neben unseren 2 kg Nudeln der perfekte Kraftspender für den Tag, wie sie sogleich am Esstisch angepriesen wird. Denn mit knurrenden Mägen finden wir uns um halb zehn am Tisch ein und dürfen aber immer noch nicht essen, klar, weil die Nudeln ja gestern nicht aufgegessen wurden . . . Nein, Spaß beiseite. Jeder hat noch die Aufgabe, sich ein Lebensmittel auszusuchen und dieses durch eine kleine Vorstellungsgeschichte etwas aufzuwerten. So schmecken Brötchen, Äpfel und die ungesalzene Weidemilchbutter mit der Hiffenmark-Marmelade oder dem Schokobrotaufstrich gleich besser. Und etwas Gutes hat das späte Loskommen ja doch: Die Zelte, die in der Sonne stehen, haben sich bereits vom Morgentau entledigt.
Nach dem Zeltabbau steigt die Neugierde auf die „Weiße Wand“. Unser heutiges Kletterziel – perfekt geeignet zum Vorstieg üben. Jede:r ist heute mit eigenen Exen ausgestattet, die richtig rum in die Ösen am Fels eingehängt werden. Dann noch das Sicherungsseil dazu einklicken und hoch geht’s – vorher natürlich noch der Partnercheck. Es werden alle aufkommenden sicherheitstechnischen Fragen geklärt, bevor jede:r noch weitere Runden klettern kann. „Letzte Route!“ Oh nein, ist es wirklich schon so spät, letzte Route? Ja, so ist es, rufen die Jugendleiterinnen. Die Zeit steht an, um nochmal zusammenzukommen und Wraps zu jausen, bevor es dann für die Klettermaxe, die Nudeln und die Limonade wieder in zwei Autos über die Baustellenautobahn zurück in die eigene Komfortzone nach Würzburg geht.
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