Rückblick Vortrag

Themenabend „Falteshütte - Felssicherung im Naturschutzgebiet“
mit Landschaftsarchitektin Miriam Glanz

Einen Einblick in die Besonderheiten des Naturschutzgebiets „Am Kalbenstein“ rund um die DAV-Falteshütte zwischen Karlstadt und Gambach gab der Sektionsabend Mitte März. Die Landschaftsarchitektin Miriam Glanz stellte die Felssicherungsmaßnahmen vor, die in den letzten Monaten an den Felsen und Halden zur Sicherung der Bundesstraße, der Bahnstrecke, des Klettersteigs sowie der Schutzhütte durchgeführt wurden. Dies war nötig, da die Gefahr von Steinschlag und Blocksturzereignissen bestand.

Strenge Auflagen im europäischen Schutzgebiet 

Im Vorfeld wurde genau geprüft, wie das bestmögliche Vorgehen ist, um die seltenen Tier- und Pflanzenarten im Naturschutzgebiet so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Die Maintalhänge zwischen Gambach und Veitshöchheim sind europäisches FFH-Schutzgebiet, eine besondere Auszeichnung nach der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie zum Schutz der einheimischen Natur! Dabei ist das Naturschutzgebiet Grainberg, Kalbenstein, Saupurzel die letzte nordwestliche Kalkmagerrasenformation in Unterfranken. Eine Besonderheit dort ist die Überlagerung der Felswand mit Schuttmaterial. Für dieses besondere Gebiet erstellte Miriam Glanz im Auftrag der Stadt Karlstadt und des Freistaates Bayern ein naturschutzfachliches Gutachten. Dabei entstand ein umfangreicher Maßnahmenkatalog, der auch europäische Richtlinien erfüllen musste. Ein mit Behörden und Einrichtungen abgestimmter Bauzeitenplan legte dabei detailliert fest, wann, welche Fläche bearbeitet wird. Denn das Zeitfenster der Baumaßnahmen war auf die Herbst- und Wintermonate beschränkt, da diese außerhalb der Brut- und Aufzuchtzeiten z.B. von heckenbrütenden Vögeln liegen.
 
Sicherung der Felshänge - alles Handarbeit
Die Maßnahmen waren schwierig und zeitintensiv, da auch die Zugänge zur "Baustelle" beschränkt waren: per Hubschrauber, durch Abseilen oder über einen schmalen Pfad von unten. Jede Felswand und jeder Felsturm wurden systematisch untersucht und geprüft. Jeder Felsvorsprung, von dem eine Gefährdung ausging, musste per Hand abgetragen, mit Spritzbeton unterfüllt, punktuell vernetzt oder durch Vernagelung dauerhaft gesichert werden. Zum Einsatz kam auch die Errichtung von Steinschlagschutzzäunen am Fuße der Felswände. Eine darauf spezialisierte Firma schickte Experten, die die Maßnahmen mit Bedacht durchführten.
 
Schatzkammer der Natur stark gefährdet
Warum man in diesem Gebiet so geplant und behutsam vorgehen musste, veranschaulichte die Referentin anhand der dort vorkommenden besonderen Fauna und Flora. Über 70 gefährdete und vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten sind vertreten wie Appenin-Sonnenröschen, Sand-Esparsette oder Helm-Knabenkraut. An der Felskante ist zudem ein sehr seltener Vegetationsbestand zu finden, die sog. Gamander-Blaugrashalde. In dem sonnenverwöhnten Waldsaum wachsen Orchideenarten wie Pyramiden-Hundwurz, die sonst nur im Mittelmeerraum vorkommen. Auch die Tierwelt ist einzigartig. Es gibt streng geschützte Arten wie die Zwergfledermaus, den Sperlingkauz, Uhu oder die Zippammer. Letztere ist ein vom Aussterben bedrohter Brutvogel, der nur noch an einigen wenigen Steilhängen Unterfrankens vorkommt. Rund 32 Brutpaare wurden dort gezählt. Die Zippammer kommt sonst nur noch im Rheintal vor. Ebenso viele bedrohte Insektenarten wie die Berghexe oder der Erdbock haben dort ihren Lebensraum gefunden.

Zur Referentin: Die Landschaftsarchitektin Miriam Glanz betreut mit ihrem Büro mit Sitz in Leutershausen Kommunen und Ämter bei naturschutzfachlichen Fragestellungen. 

 

Das Naturschutzgebiet „Grainberg-Kalbenstein“ ist seit 1941 eine der ältesten Schutzgebiete Frankens und zugleich eines der bedeutendsten Trockengebiete Deutschlands.