Rückblick Vortrag

Fünf vor zwölf - Warum die Erde an ihre Grenzen stößt und was jeder von uns dagegen tun kann

Im Rahmen des Sektionsabends gab Forstwissenschafter Peter Naumann vom Bergwaldprojekt e.V. einen Einblick in die Grenzen unserer Erde. Die folgenden neun planetaren Grenzen wurden 2009 von Wissenschaftlern unter Leitung von Johan Rockström am Stockholmer Centre of Resilience erkannt: Der Klimawandel, das Artensterben, die biogeochemischen Kreisläufe von Phosphor im Wasser und Stickstoff im Boden, die Ozeanversauerung, das Ozonloch, der Süßwasserverbrauch, die Abholzung, der Landverbrauch sowie die Verschmutzung der Atmosphäre und der Erde mit Partikeln und chemischen Stoffen. Diese Faktoren belasten die Ökosysteme so stark, dass bei weiterer Verschlechterung, menschliches Leben auf dem Planeten in Zukunft kaum mehr möglich ist.
 
Peter Naumann zeigte am Beispiel des Waldes, dass eine Lösung unserer vielfältigen ökologischen Krisen möglich ist. Wir müssen vor allem mit unseren Ressourcen suffizienter umgehen, d. h. das richtige Maß finden. Grenzenloses Wachstum gibt es nicht, schon gar nicht im Wald.
 
Der unterschätzte Wald: Tausendsassa und Lebenselixier
 
Der Wald erfüllt neben der Holzgewinnung viele wichtige Funktionen. Dazu zählt der Erosionsschutz. Die Wurzeln halten den Boden fest, was besondern in Hanglagen Schutz vor Lawinen, Steinschlag und Erdrutschen bietet. Zudem filtern und speichern die Bäume Wasser. Der Wald ist aber nicht nur Trinkwasserspeicher, sondern kann auch bei Hochwasser gegenregulieren. Zum Beispiel fasst ein Mischwald 1.000 bis 1.200 Liter Wasser pro Quadratmeter. Auch ist der Wald mit einer Art Klimaanlage vergleichbar: im Sommer kühlend, im Winter schützend. Gerade alte Wälder mit viel Totholz wirken sehr klimaausgleichend, da sie besonders viel Kohlenstoff in ihrer Biomasse speichern. Darüber hinaus weist der Wald eine hohe Biodiversität auf und ist Rückzugsort für viele Pflanzen und Tiere. Nicht zuletzt bietet er auch uns Menschen Ruhe und Regeneration. Wissenschaftliche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass ein Aufenthalt im Wald sehr positive Wirkungen auf das menschliche Immunsystem hat. 
 
Der Wald kann jedoch diese Funktionen kaum noch erfüllen. Übernutzung, Humusschwund und zu hoher Gehalt an Nitrat und Nitrit-Gehalt durch Überdüngung im Grundwasser schädigen unsere Wälder. Es wird mehr Holz verbraucht als für unser Ökosystem verträglich ist. Dies zeigt sich zum Beispiel am kontinuierlich steigenden Papierkonsum. 2016 lag dieser in Deutschland bei 255 kg pro Kopf - und das im digitalen Zeitalter.
 
Veränderung fängt bei jedem einzelnen an
 
Was können wir tun? Es wird nicht jeder für den Erhalt eines gesunden Mischwaldes auf die Straße gehen. Veränderungen sind auch im Kleinen möglich: Den Papier- und Energieverbrauch reduzieren; einen Blühstreifen für Insekten auf dem Balkon oder im Garten pflanzen und damit zur biologischen Vielfalt beitragen; möglichst regionale, saisonale und biologisch angebaute Lebensmittel kaufen; Bus und Bahn nutzen anstelle zu fliegen …
 
„Wir leben in einer Unkultur aus Bequemlichkeit und Materialismus“, stellt Prof. Schellenhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung fest. Gewohnheiten zu ändern, bedarf Einsicht und Geduld. Umso wichtiger ist es, unseren Kindern bewusst zu machen, wie überlebensnotwendig ein intaktes Ökosystem ist. Wir haben nur ein begrenztes Budget an Ressourcen auf unserer Erde. Dies kann nur eingehalten werden, wenn wir unser persönliches Verhalten und die Wirtschaftskreisläufe anpassen.
 
Vier von neun „planetaren Grenzen” sind bereits überschritten
 
Die „Planetare Grenzen“ wurden 2015 erneut untersucht. Bereits vier Grenzen waren überschritten, nämlich der Klimawandel, die Landnutzung, die biogeochemische Kreisläufe sowie die Biodiversität. Betrachten wir noch kurz die Biodiversität, also die Artenvielfalt. Diese ist vergleichbar mit einem Immunschutz der Erde. Sie nahm in den letzten Jahrzehnten gravierend ab. So sind 60 % aller Wirbeltierarten zurückgegangen und auch das Insektensterben ist mit 75 % alarmierend. Um so mehr Arten irreversibel wegfallen, desto instabiler wird das System bei Krisen und hat über kurz oder lang Auswirkungen auf uns Menschen. 
 
2020 wird die nächste Studie über die planetaren Grenzen erwartet. Es liegt an jedem von uns, zu verhindern, dass zumindest nicht noch mehr Grenzen überschritten werden.
 
 
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Das Bergwaldprojekt ist ein gemeinnütziger Verein dessen Zweck der Schutz, die Erhaltung und die Pflege des Waldes und Kulturlandschaften ist. Zu diesem Zweck organisiert das Bergwaldprojekt seit 1991 freiwillige ökologische Arbeitseinsätze im Wald. Die Teilnehmenden leisten eine aktiven Beitrag zum Wald-, Klima- und Artenschutz und erleben bei den Arbeiten das Ökosystem Wald mit allen Sinnen. Mehr als 2,5 Mio. Bäume wurden bis heute gepflanzt, hunderte Hektar Wald gepflegt, viele Kilometer Wildbäche renaturiert und dutzende Hochmoore wiedervernässt. Weitere Infos: www.bergwaldprojekt.de