Rückblick Vortrag

"Alpine Pflanzen“ - Exkursion in Bildern & Rundgang im Botanischen Garten
mit Dr. Gerd Vogg, Botanischer Garten der Universität Würzburg

Einblicke in die vielfältige Pflanzenwelt der Berge

Das Edelweiß als typische Pflanze der alpinen Bergwelt kennt fast jeder. Nur wenige wissen, dass diese Pflanze in tieferen Lagen wie bei uns in Franken nicht mehr die typische weiße Beharrung aufweist, sondern eher grün ist. Grund ist, dass dieser dichte weiße Haarfilz von der Pflanze als Schutz vor der intensiven UV-Sonneneinstrahlung der Bergwelt produziert wird, die wir bei uns in Franken nicht haben. Wie das Edelweiss haben fast alle Pflanzen der Bergregionen vielfältige Anpassungsstrategien entwickelt, um bei extremen Bedingungen wie Schneestürme, hohe Sonneneinstrahlung, Gewitter, Windstärke zu überleben. Beim Besuch im Botanischen Garten stellte der Kustos des Botanischen Gartens der Universität Würzburg, Dr. Gerd Vogg, in einem Bildervortrag die Besonderheiten dieser Pflanzen vor. Beim nachfolgenden Rundgang im kleinen alpinen Garten wurden ausgewählte Beispiele von Alpinpflanzen und deren Wuchsformen erklärt. 

Gebirgspflanzen nicht nur in den Alpen
Der Botanische Garten bietet als Lehrveranstaltung jedes Jahr eine botanische Exkursion in die Bergwelt an, meist in die Alpen. In ganz Mitteleuropa gibt es kein vergleichbares Ökosystem, in dem so viele unterschiedliche natürliche und naturnahe Lebensräume mit einer so hohe Artenvielfalt auf engstem Raum vorkommen. Doch alpine Pflanzen wachsen nicht nur in den Alpen, auch in Südamerika oder auf den Kanarischen Inseln kann man interessante Pflanzen in montanen Gebieten entdecken, viele davon endemisch, d.h. sie kommen nur dort vor. Anhand sieben ausgewählter Regionen weltweit, nämlich Kleinwalsertal, Berchtesgadener Nationalpark, Hohe Tauern, Ötztal, Comer See, Teneriffa und Costa Rica wurden die Wechselwirkungen zwischen Klima, Standortfaktoren und Pflanzenwelt aufgezeigt.

In Stufen den Berg „aufi“
Je höher wir kommen, desto kälter wird es, grob 0,5 Grad pro 100 Höhenmeter. So kann man bei einer Wanderung bergauf die unterschiedlichen Pflanzenlebensräume kennenlernen. Wenn man die Wälder der unteren und oberen montanen Zone erklommen hat, wachsen ab ca. 1.800 m nur noch wenige Fichten und Lärchen in der subalpinen Stufe. Die Waldgrenze ist bald erreicht und Krummhölzer wie Alpenrosenbüsche werden typisch. In der alpinen Stufe bis 3.000 m kann immer noch eine reiche Farben- und Formenpracht bewundert werden, die in Rasen und Schutt ihren Lebensraum gefunden hat. Auf über 3.000 m gibt es im Geröll noch rund 200 Arten, ab 4.000 Höhenmeter sind es dann noch rund 10 Arten wie Gletscher-Hahnenfuß oder Zweiblütiger Steinbrech.

Gut gepolstert
Pflanzen haben besondere Strukturen entwickelt, um sich an die extremen Lebensräume anzupassen. Typisch für die alpine Vegetation sind sogenannte Polsterstrukturen, die dicht am Boden den Naturgewalten nur wenig Angriffsfläche bieten und vor Austrocknung und Frost schützen. Das dichte Blätterdach speichert die Wärme und die Feuchtigkeit hält sich.  Absterbende Blätter werden im Inneren zersetzt, damit kein Humus verloren geht. Die Polsterpflanzen wachsen sehr langsam und können bis zu 100 Jahre alt werden. Wenn sie von außen z.B. durch einen Wanderstock verletzt werden, können sie diese Wunde kaum ausgleichen und sterben ab. Typische Vertreter dieser Wuchsform sind das stängellose Leimkraut oder das Schweizer Mannsschild.

Kurze Blätter und tiefe Wurzeln
Im Gebirge ist es nicht nur kälter, auch die Temperaturschwankungen sind viel extremer. Wind, Frost, Sonnenbestrahlung bewirken eine starke Verdunstung, so dass die Pflanzen mit wenig Wasser auskommen müssen.
Die Blätter sind daher oft klein und dick, oft mit einer schützenden Schicht versehen. Während sich die Alpen-Wachsblume mit einem Wachsüberzug schützt, weisen die Alpenrosen ledrige Blätter auf. Viele Pflanzen speichern das Regenwasser direkt in den Blättern. Typische Vertreter dieser Dickblattgewächse sind Hauswurz, Mauerpfeffer oder Aurikel.
Ein weitere Anpassungsstrategie der Gebirgspflanzen ist ein dichtes, weit verzweigtes Wurzelsystem. So können sie mehr Wasser und Nährstoffe aus den Boden holen und sind auch bei Stürmen gut im Boden verankert. Dies ist besonders wichtig bei Pflanzen auf Geröllhalden, die ständig in Bewegung sind. An Felsen reichen oft kleinste Ritzen und Spalten, in denen sich Pflanzen ansiedeln können.

Und kurz lockt die Gebirgspflanze
Die Blüten sind oft viel größer und von intensiver leuchtender Farbe als in der Ebene. Sie sind dadurch auffälliger, um in der kurzen Vegetationszeit ausreichend Bestäuber wie Falter, Hummeln oder Fliegen anzulocken. Neben dem Farbenrausch wird auch mehr Nektar produziert und der Geruch ist intensiver, alles Maßnahmen, die als Lockmittel dienen und letztendlich die Fortpflanzung und damit Arterhaltung sichern sollen. Der Überlebenskampf ist hart, es bleibt wenig Zeit zum Blühen, Bestäuben, Früchte bilden und Samen verbreiten. Es verwundert daher nicht, das fast alle alpine Pflanzen unter Naturschutz stehen.

Der Boden macht die Pflanze
Wie auch bei uns im Flachland bestimmen die Böden die Pflanzenarten. Es gibt viele unterschiedliche geologische Untergründe wir Flysch, Nagelfluh, Helvetica, Hauptdolomit. Während Kalkböden eher basisch, leicht wasserdurchlässig, mineralstoffärmer und trockener sind, wachsen Pflanzen, die es eher saurer, feuchter und mineralstoffreicher mögen, auf einem Silikatuntergrund. Typische Kalkanzeiger sind das rundblättrige Täschelkraut oder der Alpen-Hahnenfuß, während auf Silikat z.B. der stängellose Enzian oder der Gletscher-Hahnenfuß wachsen. Als kleine Hilfestellung gilt, dass die Nord- und Südalpen eher aus Kalkgestein oder Dolomit bestehen und die Zentralaplen meist aus Silikatgestein. Flächen rund um Almhütten, die durch die Kühe meist gut gedüngt sind und damit eine hohen Stickstoffgehalt aufweisen, wachsen einige typische Pflanzen wie Alpendost, Alpenampfer oder Blauer Eisenhut. Sie sind Beispiele wie die Viehwirtschaft die Vegetation beeinflusst.

 

 
Typische Pflanzen aus der Bergwelt wurden vorgestellt.