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Die Tiroler Landesregierung hat die Karten auf den Tisch gelegt: Seit Montag, 15. August 2005 steht fest, welche vier Wasserkraftwerke (von insgesamt 16 Projekten) bis Ende des Jahres von der TIWAG (Tiroler Wasserkraft AG) weiter verfolgt werden. Dazu zählen zwei Neubauprojekte (Raneburg-Matrei und Malfontal) und zwei Erweiterungen (Sellrain-Silz und Kaunertal).
Grundsätzlich begrüßt der Deutsche Alpenverein e.V. den Einsatz von Wasserkraft zur Energiegewinnung. Die aktuelle Diskussion um die geplanten Wasserkraftwerke in Tirol zeigt jedoch, dass es zu einem Zielkonflikt zwischen Klima- und Naturschutz kommen kann. Deshalb müssen die nun vorgestellten Projekte sehr genau beurteilt und ihre Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden. So ist z.B. gerade das Malfontal eines der wenigen noch weitgehend unberührten Gebirgstäler der Alpen. Der zweite geplante Neubau bei Matrei/Osttirol liegt direkt am Tor zum Nationalpark Hohe Tauern und muss vor allem hinsichtlich seiner Auswirkungen auf diese Region genau geprüft werden.
Die beiden bislang am heftigsten kritisierten Projekte im Rofental/Vent und im Sulztal sind in der aktuellen Planung nicht mehr enthalten. Dennoch gibt es keinen Grund zur Entwarnung: So könnte beispielsweise die Rofenache als Oberstufe des geplanten Kraftwerkes Kaunertal noch immer aufgestaut werden.
Seit seiner Gründung – inzwischen über 130 Jahre – ist der Deutsche Alpenverein zu Gast in Tirol. In den vergangenen zehn Jahren hat der DAV rund 44 Mio. Euro in seine Hütten investiert – Ausgaben, die auch dem Land Tirol und der touristischen Infrastruktur direkt zu Gute kommen. Heute betreibt der DAV in dem österreichischen Bundesland 134 Hütten mit rund 9.000 Schlafplätzen und bietet saisonal rund 600 Arbeitsplätze an. Viele tausend Kilometer Wege werden von den Sektionen in ehrenamtlicher Arbeit gepflegt.
Josef Klenner, Präsident des DAV, betont: „Seit Beginn an sind wir dem Land Tirol freundschaftlich verbunden und fühlen uns mitverantwortlich für die Entwicklung der zum Teil hochsensiblen alpinen Räume. Unter Freunden sollte es deshalb auch erlaubt sein, auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen, zumal einige unserer Hütten und Arbeitsgebiete direkt von den geplanten Projekten betroffen sind.“
Der Deutsche Alpenverein e.V. wird in den nächsten Tagen die vorgelegten Projekte grundlegend prüfen und voraussichtlich Anfang September eine umfangreiche Stellungnahme dazu abgeben.
18.08.05, Presse siehe www.alpenverein.de
Am 08. Juli 2005, hat der Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa den sogenannten „Synthesebericht“ der Abteilung Raumordnung-Statistik des Amtes der Tiroler Landesregierung vorgelegt. Darin werden die 16 Kraftwerksprojekte unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit einer Prüfung und Bewertung unterzogen. Bis zum 08. August können die Umweltorganisationen ihrerseits eine Bewertung des Syntheseberichtes vornehmen und Verständnisfragen zum Bericht stellen. Alle Stellungnahmen werden durch die Abteilung Raumordnung-Statistik dokumentiert und ausgewertet werden. Sie sollen dann gemeinsam mit dem Synthesebericht der Tiroler Landesregierung – also der Politik - als Entscheidungshilfe dienen, für welche Projekte die Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) vertiefte Unterlagen vorlegen muss. Mit Hilfe dieser „vertieften“ Studien will dann die Tiroler Landesregierung im Dezember 2005 entscheiden, welche Speicherseen in Tirol in der Zukunft gebaut werden sollen.
Für den DAV und seine Sektionen bedeutet das, dass erst Ende August 2005 bekannt sein wird, welche Kraftwerksprojekte „aus dem Rennen ausscheiden“ werden bzw. mit welchen Projekten sich der DAV weiterhin befassen muss. Für die betroffenen Sektionen entsteht eine ungute Situation, da sie auch weiterhin in der Luft hängen.
Der Deutsche Alpenverein spricht sich nach seinem Grundsatzprogramm zum Schutz der Alpen grundsätzlich gegen weitere Großkraftwerke wie Speicherseen in den Alpen aus. Auch der DAV-Verbandsrat – eines der wichtigsten DAV-Entscheidungsgremien – hat auf seiner jüngsten Sitzung am 02. Juli 2005 diesen Grundsatz bestätigt und gefordert, vor dem Bau von neuen Kraftwerksanlagen das Potential an Einsparungsmöglichkeiten vollständig auszuschöpfen. Angesichts der Diskussion um Klimaerwärmung darf der wachsende Energieverbrauch nicht als Dogma hingenommen werden.
Weitere Infos: http://www.tirol.gv.at/raumordnung/optionenbericht/20.07.2005, Lilo Lenz, Referat Natur & Umwelt des DAV
Im vergangenen Frühjahr 2004 wurden im Zuge der Novellierung des Tiroler Naturschutzgesetzes die Pläne für die skitouristische Erschließung neuer Gletscher im Kauner- und Pitztal in den Ötztaler Alpen bekannt. Während der Sommermonate 2004 und schließlich konkret im Herbst wurden obendrein die Planungen im Rahmen des „Optionenberichtes“ der Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) für 16 mögliche Kraftwerksprojekte in Tirol öffentlich. Wiederum sind Teile der Ötztaler Alpen und der Stubaier Alpen im Visier, diesmal der Kraftwerksbauer. Es wird eng. Seither wird kein öffentlicher Anlass und keine Gelegenheit ausgelassen, von der Wasserkraft als sauberste Form der Energiegewinnung, von der Unabhängigkeit Tirols auf dem Strommarkt, von der Stärkung des Wirtschaftsstandortes Tirol und so fort zu reden.
Wieder einmal trifft es zahlreiche Arbeitsgebiete des DAV und des OeAV. Wieder gilt es für beide Alpenvereine, in einer komplexen Materie, wo die Stromseite den politischen Einfluss hinter sich und sehr viel Geld für Öffentlichkeitsarbeit zum Puschen ihrer Stehsätze hat, ihren Einfluss gegen die über die Jahrzehnte ständig weiter voran und ständig höher hinauf schreitende Naturzerstörung und die Entwertung der alpinen Erholungslandschaft zu Felde zu ziehen. Die Alpenvereine müssen wieder einmal dagegen ankämpfen, dass dieser strukturelle Nachteil des Naturschutzes außer Kraft gesetzt wird: nämlich die Erfahrung, dass Projektanten es beliebig oft neu versuchen können, ihrem Projekt zum Durchbruch zu verhelfen. Versagt der Naturschutz auch nur einmal, ist es um die Landschaft auch schon unwiederbringlich geschehen.
Dabei ist es ja nicht so, dass die Alpenvereine in den von der TIWAG ins Auge gefassten neuen Nutzungsgebieten nichts zu bieten hätten. Sie sind dort seit über einem Jahrhundert tätig, in guten wie in schlechten Zeiten mit der einheimischen Bevölkerung verbunden. Sie bewirtschaften Hütten, haben Wege angelegt, markieren und erhalten diese, bringen Erholung suchende Städter Sommer wie Winter in die Alpen, haben Verantwortung für ihr Grundeigentum und beleben die Wirtschaft.
Es ist bekannt, wie schwierig und durchwachsen das Verhältnis der Alpenvereine trotzdem in so manchem kniffligen Fall alpiner Erschließung zu Teilen einflussreicher einheimischer Wirtschaftskreise war und ist. Denken wir zurück an die großen Auseinandersetzungen in der hinteren Iselregion rund um das damals geplante Großspeicherkraftwerksprojekt Dorfertal/Matrei in Osttirol oder das geplante Speicherkraftwerk der Österreichischen Bundesbahnen im Stubaital in den 1980er-Jahren. Die Beziehungen zu Gemeinden und BürgerInnen sind mancherorts bis heute nicht richtig im Lot.
Allerdings hat sich diesbezüglich in den letzten 20 Jahren doch einiges grundlegend geändert. Die für derartige Projekte (Staumauern, Straßen, Leitungen, Bachfassungen, usw.) erforderlichen Eingriffe werden trotz der Akzeptanz der Wasserkraft mit äußerster Skepsis gesehen. War es vor 20/30 Jahren noch schwierig, arbeitsgebiete- bzw. hüttenbesitzende Sektionen des Alpenvereins zu einer öffentlichen Positionierung zu bewegen, so äußern sie sich heute zu neuen Kraftwerksbauprojekten gleichauf mit Agrargemeinschaften, Tourismusverbänden, Bürgerinitiativen. Sie arbeiten selbstbewusst in Bürgerinitiativen mit, haben zum Teil aufgrund langjähriger, einschlägiger Tätigkeit genügend Erfahrungen, um sich in einem derart heißen, landespolitischen Thema bewegen zu können. Waren es früher Gurus aus den Städten, Wissenschafter und hartgesottene NaturschützerInnen, so formiert sich heute qualifizierter Widerstand in den Gemeinden und Ortschaften. Alpenvereinssektionen des OeAV sind heute eingebettet in lokale Bewegungen, gemeinsam mit Touristikern, Bauern, Grundeigentümern, Bürgerinnen und Bürgern.
Geht es doch nicht bloß um Allerweltslandschaften, sondern um hochwertige, bisher unversehrt gebliebene Landschaften im Malfontal (Verwallgruppe), im Bergsteigerdorf Vent (Ötztal), im Sulztal bei Längenfeld (Ötztal), im hinteren Stubaital/Gschnitztal, an Isel und Tauernbach in der Nationalparkregion Hohe Tauern oder im Winkeltal/Villgraten in Osttirol. Es handelt sich im Raum Vent um die Konzentration der größten intakten Gletscherbäche Österreichs, imposanter als im Nationalpark Hohe Tauern. Sie sind d i e Wesensmerkmale des vergletscherten kristallinen Hochgebirges, Lebensadern der Landschaft, Traumadern für die Gäste, Wanderer, Bergsteiger, die die Alpen ausgerechnet wegen dieser Ressourcen besuchen.
Der Deutsche Alpenverein hat ausgerechnet in diesen „Hoffnungsgebieten“ der TIWAG zuletzt sehr viel investiert. Die Zusammenarbeit mit Vent wurde intensiviert, gemeinsam an der Zukunft gearbeitet. Im Stubaital arbeitet der OeAV an den Grundlagen für den Naturpark Stubai; Luis Töchterle von der OeAV-Sektion Stubai hat das hervorragende Projekt WildeWasserWeg Stubai ausgearbeitet. Soll das jetzt alles umsonst gewesen sein?
Es geht in diesem unvermeidbaren Interessenkonflikt nicht mehr um eine Auseinandersetzung nach herkömmlichem Muster Energiewirtschaft gegen ein paar punzierte Grüne. Die gesamte Nutzungsintensivierung und der Strukturwandel der alpinen Seitentäler in Richtung des Tourismus- und Dienstleistungssektors hat die Zahl der Kritiker und Gegner der allgegenwärtigen Ansprüche der Kraftwerksbauer anwachsen lassen. Die Bauern verteidigen ihre wichtigen Weidegründe, die Touristiker sind sich der Landschaftsressource als wichtiges Kapital für den Sommertourismus bewusst. Obschon bereits jetzt die Differenz zwischen Sommer- und Winternächtigungen immer winterlastiger wird, wären eine jahrelange Bauphase für Riesenbauten und die hinterlassenen Narben in der Landschaft Sommertourismus-Killer. Kann sich das ein Land auf diesem sensiblen Gästemarkt noch leisten? Ist es für ein Tourismusland auf Dauer gut, durch Großbauten die verbliebenen Landschaftsressourcen auf das Spiel zu setzen?
Einmal wird ein gutes und zusammen mit dem Alpenverein ausgearbeitetes und im Jänner 2005 von der Landesregierung beschlossenes „Tiroler Seilbahn- und Schigebietsprogramm 2005“ (LGBl. Nr. 10/2005) durch die verkündeten Seilbahnprojekte auf das Eisdach der Ötztaler Alpen völlig konterkariert. Im Feber 2005 hat Naturschutzlandesrätin Anna Hosp ein für den Alpenraum einmaliges Schutzgebietsbetreuungsprogramm für alle 71 Tiroler Schutzgebiete mit entsprechender finanzieller Dotation vorgestellt. Das Seilbahn- und Schigebietsprogramm 2005 verbietet Eingriffe in eben diese Schutzgebiete, und nun sehen mehrere der im TIWAG-Optionenbericht vorgesehenen Projekte in diesen Schutzgebieten gewaltige Eingriffe vor: Ruhegebiet „Ötztaler Alpen“, Ruhegebiet „Stubaier Alpen“, Landschaftsschutzgebiet Serles-Habicht-Zuckerhütl – alles Kandidaten für Naturparke.
Es wäre viel besser gewesen, einmal über die Bücher zu gehen und zu schauen, wo denn aus der rechtlichen Situation heraus und aufgrund der Grundeigentumsverhältnisse überhaupt die Durchsetzung von Kraftwerksprojekten realistisch ist (Naturschutzrecht, EU-Recht, Alpenkonvention). Dann hätte man sich viel Ärger ersparen können! Zudem ist es auch eine Herausforderung sinnvoller Landesraumordnung, wohin ich neue Großkraftwerke setze. Es ist zu klären und festzulegen, wo es Vorranggebiete für bestimmte Nutzungen bzw. Freihaltungen geben soll. Oder will man überall alles und das mit minderer Qualität und in gegenseitiger Nutzungskonkurrenz? Ein Großkraftwerksprojekt, wie es beispielsweise im Optionenbericht für Vent oder das Sulztal bei der Amberger Hütte vorgesehen wäre, ist einfach mit der gegebenen Tourismusstruktur unvereinbar. Ein Kraftwerksbau würde dort zu völlig veränderten Raumstrukturen führen. Auch wenn die Ortschaften – Vent oder Gries im Sulztal – noch so klein sind, ist die niedrige Akzeptanzbereitschaft der dort lebenden Bevölkerung für ein Kraftwerk zu respektieren. Sie sind aber auch naturnaher Erholungsraum vieler europäischer Gäste und Bergsteiger. Das Ersatzargument des Staumauer- und Stauseetourismus hat früher einmal gezogen, als alle Schulklassen und Gemeinschaftsfahrten zum Wiederaufbauwerk Nr. 1 in Österreich, nach Kaprun, gefahren sind. Heute stellt diese Form des Ausflugsverkehrs keine besondere Bedeutung mehr dar. Den Gemeinden ist der länger verweilende Stammgast viel lieber. Ein Vergleich der Sommernächtigungen von Vent im unversehrten Hochgebirgsraum der Ötztaler Alpen mit Ginzling im Vorfeld der Kraftwerksbauten in den Zillertaler Alpen zeigt es deutlich: in Vent bleiben die Übernachtungen konstant, in Ginzling haben sie in den letzten Jahren um nahezu 50 Prozent abgenommen.
Im Sinne einer ausgewogenen Landesraumordnung mit klaren Vorgaben für vorrangige Nutzungen wäre es deshalb wohl sinnvoll, bestehende Kraftwerksnutzungsstandorte und –areale zu optimieren, Energiesparakzente in Umsetzung des Energieprotokolls der Alpenkonvention zu setzen.
Wie schaut nun die weitere Vorgangsweise aus? Von der Tiroler Landesregierung wurde zu Jahresbeginn 2005 eine amtsinterne Arbeitsgruppe aus allen relevanten Fachbereichen unter der Federführung der Abteilung Raumordnung-Statistik beauftragt, eine Vorprüfung des TIWAG-Optionenberichtes betreffend die Errichtung neuer Wasserkraftwerke in Tirol durchzuführen. Sobald die Expertengruppe den Vorprüfungsentwurf fertig gestellt hat - das wird gegen Jahresmitte 2005 der Fall sein -, wird dieser noch vor der Befassung der Landesregierung mit den betroffenen Gemeinden, Grundeigentümern, Vertretern von Naturschutzorganisationen und politischen Parteien diskutiert werden. Am 15. April 2005 wurden die politischen Parteien, Sozialpartner und NGOs über den Zeitplan, die Prüffelder und den Prüfablauf informiert.
In dieser Arbeitsgruppe werden selbstverständlich Weichenstellungen vorgenommen. Es ist bedauerlich, dass die Alpenvereine in diese Vorprüfungsphase trotz mehrerer Vorsprachen nicht eingebunden waren. Genügend fachlicher Input wäre im Alpenverein vorhanden, um mitzuhelfen, die Entscheidungsgrundlagen bestmöglich vorzubereiten. Am Beispiel des erwähnten Seilbahn- und Schigebietsprogrammes 2005 hat es sich als strategisch richtig herausgestellt, Fachleute aller Interessenbereiche schon in der Frühphase der Beratungen einzubeziehen.
Das 2. Halbjahr 2005 wird jedenfalls zeigen, wie es mit der Diskussion über weitere Großkraftwerksbauten in den Alpen Tirols weitergehen wird. Artet diese zu einem „Krieg der Schlagworte“ aus, werden Argumente mit Propaganda niedergewalzt, dann hat die Planungskultur gefehlt, die das Land im Gebirge zur Bewältigung der Zukunft dringend gebraucht hätte.
Peter HaßlacherDie Tiroler Wasserkraft AG ( TIWAG ) ist hundertprozentige Tochter des Landes Tirol. Sie hat eine Wunschliste mit 16 Kraftwerksprojekten vorgelegt, wovon drei bis vier realisiert werden sollen. Im Herbst 2005 soll die politische Entscheidung über die Kraftwerke fallen.
Pumpspeicherkraftwerke ( PSW ) sind eine besondere Form der Speicherseen, die mit Hilfe von Pumpen aus einem tiefer gelegenen Gewässer gespeist werden. Das Pumpen geschieht mit billigem Grundlaststrom aus Kohle- und Atomkraftwerken während der Nachstunden. Bei hohem Strombedarf wird Spitzenstrom erzeugt, der mehrfach teurer als Grundlaststrom ist. Das nennt man dann “Stromveredelung”.
Man rechnet mit einer Planungs- und Bauzeit von jeweils fünf Jahren. Die ersten Kraftwerke sollen in zehn Jahren an Netz gehen.
Falls noch nicht geschehen, die Protestkarte aus dem letzten Panorama ( 4/05 ) an den Tiroler Landeshauptmann Dr. van Staa senden.
ORF/Jelinek: 24 Kraftwerksprojekte sind geplant. In den nächsten Wochen werden die Bauentscheidungen fallen. Aber jetzt formiert sich Widerstand. Mit neuen Dämmen, Stollen und Turbinen soll vor allem teurer Spitzenstrom für den Export erzeugt werden. Claudia Ernstreiter und Markus Sint über den Streit um Tirols Kraftwerksprojekte.
Frau Schöpf/Gries: Wir wollen eigentlich nur unsere Ruhe, aber Stausee, das wollen wir auf gar keinen Fall.
Wallnöfer: Ein guter Tag beginnt mit einem neuen Wasserkraftwerk.
Frau Holzknecht/Längenfeld: „Wir geben keinen Quadratmeter Grund und keinen Tropfen Wasser her. Aus.
ORF-Sprecher: Im Visier der TIWAG für Tiroler Wasserkraft das Sulztal im Ötztal. Hier soll ein riesiger Stausee her. Mit 120 Millionen Kubikmetern Wasser. Monatelang wird es streng geheim gehalten. Weil die Gerüchteküche brodelt, rückt die TIWAG heraus. Sie will ein Riesenkraftwerk im Ötztal bauen. Ihre Begründung: Die EU braucht 1.000 Großkraftwerke. Die Leute im Tal sind zornig. Mit ihnen hat niemand gesprochen. Statt ihrer Alm – ein Megastausee. Beim Almabtrieb machen sie ihrem Ärger gegen die TIWAG Luft. Der Widerstand formiert sich im Netzwerk Tirol. Bauern, die Bevölkerung und die Tourismusbranche sind dagegen. Unter dem Druck der Öffentlichkeit legt TIWAG-Chef Wallnöfer unterstützt von ÖVP-Landeshauptmann van Staa ein halbes Jahr später einen Bericht vor. Darin legt die TIWAG ihre Wunschliste offen. 24 neue Kraftwerke. Darunter mehrere Großkraftwerke. Über ganz Tirol verstreut. Die TIWAG will aufrüsten. Es geht um Spitzenstrom. Der ist rar und daher teuer. Die Energiekonzerne machen damit an den internationalen Strombörsen satte Gewinne. Seit der Öffnung des Strommarktes spekuliert auch der landeseigene Stromversorger an der Börse. Kauft und verkauft, riskiert und hofft auf Gewinn.
Wallnöfer: Man sieht hier übrigens mit dem 38 Euro, dass die Preise an den europäischen Börsen in den letzten 10, 14 Tagen deutlich angestiegen sind.
Ernstreiter/ORF: Haben Sie heute schon ein gutes Geschäft gemacht?
Wallnöfer: Herr Höck, was haben Sie alles für Geschäfte gemacht?
Höck/TIWAG: Wir haben gute Geschäfte gemacht, und wir haben Zukäufe und Verkäufe getätigt, wir haben auch ....
Sint/ORF: Die TIWAG will groß ins Geschäft mit dem teuren Spitzenstrom einsteigen. Neue Kraftwerke sollen her.
Wallnöfer: Wir sind in der glücklichen Lage und haben das Alleinstellungsmerkmal, mit unserer Tiroler Wasserkraft sauberen Tiroler Wasserkraftstrom erzeugen zu können.
ORF-Sprecher: Werbung für Strom aus sauberer Wasserkraft macht auch Landeshauptmann van Staa. Bei einem Besuch in einer Schule schwört er die Kleinen ein.
van Staa: Das Wasser braucht man nicht verbrennen, damit man Strom erzeugt, sondern das Wasser kann man in Turbinen nutzen. Und das Wasser, das hineinrinnt sauber.. . Ich bin überzeugt, dass für die Errichtung dieser Kraftwerke in Tirol als die Nutzung der besten erneuerbaren Energie in unserem Lande der Umwelt am verträglichsten und nachhaltigsten auch eine Mehrheit der Bevölkerung zu gewinnen ist.
ORF-Sprecher: Der Landeshauptmann hat die Rechnung ohne die Ötztaler gemacht. Sie verdienen gut mit dem Tourismus. Die Landwirtschaft ist intakt. Viele leben auch davon. Die Leute hier wollen nichts wissen von Baustellen, Hochspannungsleitungen, von Staumauern und Stauseen. Erstes Opfer des Stausees im Sulztal – die Amberger Hütte des Deutschen Alpenvereins. Sie würde unter Wasser gesetzt. Mit 150 Metern wäre der Staudamm höher als der Wiener Stephansdom. Das jetzt als Alm genutzte Sulztal komplett überflutet.
Frau Schöpf/Gries: Das wäre für uns der Tod. Weil wir leben von den Gästen, hauptsächlich von den Stammgästen. 85 – 90 % Stammgäste sind in Gries. Und die blieben weg. Und die ganze Bauzeit. Der Dreck, der Lärm.
Gstrein/TVB Längenfeld: Weiters sind dann natürlich Leitungen geplant, die durch das gesamte Ötztal den Strom, den erzeugten Strom abtransportieren müssen, die das ganze Längenfelder Talbecken zusätzlich noch verschandeln, und der Gast kommt nach Längenfeld aus dem Grund, wegen der heilen Natur.
Markus Pirpamer/Vent: Und wie sollen wir das verstehen in Vent drinnen, das bisschen Natur, wie das die TIWAG sieht, das ist für uns der existenzielle Untergang da hinten drinnen. Weil ich möchte da schon offen und ehrlich einmal fragen die TIWAG bzw. auch die Landesregierung, was sie dann mit uns vorhaben mit uns Ventern drinnen. Wovon sollen wir dann leben?
Sprecher Agrargemeinschaft Sulztal: Unsere Bauern haben beschlossen, wir verhandeln nicht mit der TIWAG. Es ist abgelehnt, und wir bleiben bei dem, also für uns gibt es da kein Super-super-Angebot, für uns gibt es gar kein Angebot von der TIWAG. Hier in dieser Größe, und das Sulztal wird nicht geopfert.
ORF-Sprecher: Tirol ist kein Einzelfall, weiß der Energieexperte und Präsident von Greenpeace Schweiz. Er spricht von einer regelrechten Goldgräberstimmung in den Alpenländern.
Glauser: Die Situation, dass die Wasserkraft genutzt werden soll, um damit möglichst große Gewinne zu machen, das ist in allen Alpenländern groß.
ORF-Sprecher: Maximalgewinn bringt ein Pumpspeicherkraftwerk. In Sellrain-Silz in Tirol wird schon jetzt Wasser von einem Stausee in einen Stausee weiter oben gepumpt. Mit Kohle- und Atomstrom. Nachts und am Wochenende. Da ist der Strom am billigsten. Beim Herunterlassen wird teurer Spitzenstrom erzeugt. Finanziell sinnvoll, für die Umwelt problematisch.
Glauser: ... Pumpspeicherkraftwerke produzieren eigentlich den schmutzigsten Strom in ganz Europa, weil der Dreckstrom - mit viel CO2 und Atommüll belastet - wird hochgepumpt, ein Drittel dieses Stroms geht dann verloren. Wenn den Leuten bewusst ist, dass eigentlich ihre Täler oder ihr Wasser missbraucht werden zum Weißwaschen von Dreckstrom nur zur Gewinnsteigerung, dann denke ich, dann fällt die Akzeptanz für solche Kraftwerke.
ORF-Sprecher: Die TIWAG-Chefs auf Schönwettertour für die geplanten Milliardeninvestitionen. Weil laut TIWAG Strom europaweit knapp wird, könnte das Land mit Spitzenstrom aus neuen Kraftwerken ein gutes Geschäft machen.
Wallnöfer: Ich habe hier nicht die geringste Sorge. Der gute, der wertvolle, der saubere Spitzenstrom aus Tiroler Wasserkraft, der wird Jahr für Jahr wertvoller und wichtiger werden in Europa. Und das viele Jahrzehnte auch bleiben.
Glauser: Hier wird ein guter Mythos der sauberen Wasserkraft eigentlich missbraucht, um spekulative Projekte zu planen und zu realisieren, die eventuell in einigen Jahrzehnten sogar Investitionsruinen sind, wenn der Kraftwerkspark in Europa anders zusammengesetzt wird und eben diese Gewinnmargen von heute eben nicht mehr spielen.
ORF-Sprecher: Die möglichen Geschäfte der TIWAG interessieren die Leute im Ötztal nicht. Sie wollen die Landschaft, in der sie leben, erhalten.
Frau Schöpf/Gries: Das ist Ausverkauf der Heimat. Und ausverkaufen lassen wir uns nicht, ganz gewiss nicht. Und wenn sie es bauen sollten, dann werden sie noch einmal erleben, was Gries eigentlich auf die Füße stellen kann. Dessen bin ich mir sicher.
Sint/ORF: Das heißt kämpfen?
Frau Schöpf/Gries: Ja, kämpfen bis zum Schluss.
Tonbandabschrift der Fachabteilung Raum-planung/Naturschutz, 04.05.2005, mit freundlicher Unterstützung des OEAV zum Thema "Kraftwerkspläne in Tirol".Am 11. Januar 2005 hat die Tiroler Landesregierung das „Seilbahn- und Skigebietsprogramm“ verabschiedet. Darin werden Ausbaugrenzen und neue Seilbahnprojekte in Tirol festgelegt. Neu in dem Programm ist die Formulierung von Negativ- und Positivkriterien für Erschließungsmaßnahmen. Danach sind Schutzgebiete für Erschließungen ab sofort tabu. Nach wie vor ungelöst ist die Frage der Gletschererschließung. Dafür wurde ein weiteres Raumordnungsprogramm erarbeitet, das der DAV wegen der darin festgeschriebenen Erschließungen im Pitztal (Linker Fernerkogel) und Kaunertal (Weißseespitze) jedoch ablehnt.
Das Raumordnungsprogramm „Zum Schutz der Gletscher“ ist bis heute von der Tiroler Landesregierung noch nicht verabschiedet worden. Der DAV wehrt sich gegen die in diesem Programm enthaltenen Erschließungen im Pitztal (Linker Fernerkogel) und Kaunertal (Weißseespitze). DAV und OeAV (Österreichischer Alpenverein) haben daher gemeinsam eine Unterschriftenaktion gegen diese Erschließungsmaßnahmen gestartet. Stand 14. April 2005: 19.444 Unterschriften. Herzlichen Dank für diese große Unterstützung !Einige Liste befinden sind noch in der Auszählung. Letzte Listen können noch eingeschickt werden.
Über die Übergabe an die Tiroler Landesregierung werden wir wieder berichten.
Nach den Kriterien des „Seilbahn- und Skigebietsprogramms“ wird es in Tirol zukünftig weder Erschließungen in Schutzgebieten – immerhin 25 Prozent der Landesfläche - noch Neuerschließungen geben. Der Wehmutstropfen dabei: Laut Tiroler Definition handelt es sich nur dann um eine Neuerschließung, wenn diese aus dem besiedelten Talraum oder von einer öffentlichen Straße aus erfolgt. Stefan Witty, DAV-Umweltreferent, sieht dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Wir sind zwar froh, dass es in Zukunft keine Erschließungen in den Schutzgebieten und aus Tallagen geben wird. Doch droht nach wie vor die großflächige Erschließungen in den Hochlagen. Nach dem Raumordnungsprogramm besteht zum Beispiel die Gefahr, dass der Bau eines Liftes am Piz Val Gronda bei Ischgl oder ein Skizirkus von St. Anton durch das Verwall nach Kappl genehmigungsfähig werden könnten. Durchaus positiv ist aber, dass in Zukunft die Skitouren- und Wandergebiete bei der Überprüfung von Projektanträgen berücksichtigt werden müssen.“
Mit dem „Seilbahn- und Skigebietsprogramm“ hat die Tiroler Landesregierung einen Systemwechsel vollzogen. In den bisherigen „Tiroler Seilbahngrundsätzen“ wurden Gebiete dargestellt, in welchen Erschließungen stattfinden können. Das gibt es nicht mehr. Jetzt müssen die Seilbahnbetreiber Voranfragen stellen. Die jeweiligen Projekte werden dann nach den entsprechenden Kriterien geprüft. Nur bei positivem Bescheid kommen die geplanten Maßnahmen „eine Runde weiter“ und müssen den üblichen Ablauf eines Genehmigungsverfahrens durchlaufen. Es ist daher auch verständlich, dass das Tiroler „Seilbahn- und Skigebietsprogramm“ eine Laufzeit von zehn Jahren gegenüber den bisherigen vier Jahren haben wird. Eine Evaluation ist nach fünf Jahren geplant.
Der DAV bewertet dieses Vorgehen zunächst einmal positiv, auch wenn unmäßige Erschließungen - beispielsweise am Piz Val Gronda/Ischgl - nicht ausgeschlossen sind. Es wird darauf ankommen, wie fachlich korrekt die Anträge in Zukunft bearbeitet werden. Der DAV wird mit größter Aufmerksamkeit die kommenden Projekte begleiten.
Nähere Informationen zum Tiroler Seilbahnkonzept stehen auf der homepage der Tiroler Landesregierung: http://www.tirol.gv.at/.
02.05.2005, Lilo Lenz, Referat Natur & Umwelt des DAV
In kaum vorstellbarem Umfang sind Stauseen in Tirol geplant. Die Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) hat einen sogenannten Optionenbericht vorgelegt, in dem die Überlegungen zu 16 Einzelprojekten vorgestellt werden. Danach soll zwischen Vent und Hochjochhospiz (Ötztaler Alpen) ein Staudamm mit 170 Metern Höhe einen See mit 96 Millionen Kubikmetenrn Fassungsvermögen aufstauen. Die Amberger Hütte soll nach diesen Plänen gleich ganz in einem See verschwinden. Auch bei der Riffelseehütte, der Potsdamer Hütte und der Sulzenau Hütte sowie im Verwall sind Speicherseen geplant, die der Energieerzeugung dienen.
Die Energieerzeuger – darunter auch die TIWAG - kaufen und verkaufen Strom, der an verschiedenen Broker-Plattformen, u.a. an den Strombörsen in Leipzig und Graz, gehandelt wird. Von den 16 geplanten Projekten verfügen neun Stauseen über Pumpkraftwerke. Diese pumpen mit billigem Grundlaststrom – z.B. mit Atomstrom in den Nachtstunden – Wasser aus den Tälern in die Speicherseen hinauf. Wenn nun Spitzenstrom – z.B. täglich während der rush-hour – benötigt wird, lassen die Stromanbieter das Wasser wiederum ab und verkaufen diese „veredelte“ Energie mit beträchtlicher Gewinnspanne an den Strombörsen.
Die DAV-Bundesgeschäftsstelle erarbeitet derzeit gemeinsam mit dem DAV-Bundesausschuss Natur- und Umweltschutz ein DAV-Handlungskonzept zum Optionenbericht aus.
Den Optionenbericht können Sie im Internet einsehen unter: www.tiwag.at
17.02.2005, Lilo Lenz, Referat Natur & Umwelt des DAV
Grundsätzlich ist aus meiner Sicht die Nutzung von Wasserkraft zu begrüssen wenn der stetig steigende Energiehunger nicht auch durch andere Massnahmen wie z.Bsp. Effizienzsteigerung der Geräte und Kraftwerke, Energieeinsparungen, Verzicht auf Energiefresser usw. zu senken ist.
Jedoch ist auch die Auswirkung auf das Lebensumfeld der einheimischen Bevölkerung sowie auf den sanften Tourismus, besonders im hinteren Ötztal ( erhebliche Anstrengungen des DAV hierzu durch mehere Massnahmen u.a. die Wiederbelebung der Ötztaler Skitourenrunde ) zu berücksichtigen. Im Optionenbericht vermisse ich Aussagen hierzu sowie auf etwaige Ausgleichsmassnahmen für die betroffenen Regionen während der mehrjährigen Bauzeit.
Die Sektion sucht den engen Informationsaustauch mit dem OEAV und prüft derzeit ob unser Grundbesitz im Ötztal betroffen ist. Falls ja, könnten wir vermutlich ein Mitspracherecht erhalten.
Der politsche Entscheidungsprozess in Tirol hat gerade erst begonnen. Wir werden diesen aufmerksam verfolgen und Sie über neue Entwicklungen weiter informieren.
Die nachstehend aufgeführten Grafiken zeigen die drei Optionen im hinteren Ötztal (klicken Sie auf ein Bild um die große Version zu sehen.
Grafiken entnommen aus dem Optionenbericht der TIWAG